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Zwei Jungs liegen auf dem Fußboden und nutzen gemeinsam ein Tablet.

ALLES IM NETZ!?

In rasantem Tempo verändern digitale Medien unsere Welt – besonders in Zeiten des Abstandhaltens. Das hat viele Vorteile, aber auch Schattenseiten wie „Phubbing“. Ein Beitrag über Medienkonsum und -kompetenz für jedes Alter.
Autorin: Antoinette Schmelter-Kaiser // Fotos: iStock (4), vecteezy.com

Vor dem Abendessen darf die fünfjährige Mia auf dem Tablet eine Folge ihrer Lieblingsserie schauen, während die Eltern sich über ihren Tag unterhalten. Danach gibt es ein zweites Ritual: Skypen mit den Großeltern. Weil diese 300 Kilometer weit entfernt wohnen, sind Treffen mit Oma und Opa selten. Aber zumindest bekommen sie per Videokonferenz zu sehen, dass es Eis zum Nachtisch gibt, und zu hören, welches Lied die Enkelin in der Kita gelernt hat.

Digitalisierung während der Pandemie.

Digitale Medien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Mit einem Internetzugang waren 2019 laut Statista 95 Prozent aller deutschen Haushalte ausgestattet. Während der ersten Welle der Corona-Pandemie erlebten digitale Lösungen einen Ansturm. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom im April 2020 hörten 53 Prozent der über 16-Jährigen mehr Musik über Plattformen wie Spotify, 49 Prozent spielten häufiger Online-Games, 37 Prozent schauten mehr Videos und Filme per Streaming.
Noch signifikanter war die Zunahme bei den 12- bis 19-jährigen Schülerinnen und Schülern: 82 Prozent gaben bei einer Sonderbefragung zur Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien) an, mehr Zeit als vorher mit YouTube-Videos zu verbringen; neun von zehn hielten den Kontakt zu Freunden via Messenger. Weil im Leben mit der Pandemie Angebote aus der analogen Welt weggefallen oder eingeschränkt nutzbar sind, ist das steigende Bedürfnis nach digitalen Alternativen verständlich.
Doch bleibt der Medienkonsum dauerhaft auf hohem Niveau, bedeutet das nicht nur noch mehr Online-Shopping, -Unterhaltung, -Informationen, -Spiele oder -Kontakte. Parallel nehmen unangenehme Begleiterscheinungen und Gefahren zu. Ein Beispiel: Wer im Homeoffice arbeitet, spart sich die Fahrt ins Büro und kann seinen Tag mehr im Einklang mit eigenen Bedürfnissen oder der Familie gestalten. Doch steht der Firmen-Laptop auf dem Küchen- oder Wohnzimmertisch, kann die fehlende Abgrenzung auf Dauer belastend werden.

Zunehmend: Phubbing und FOMO.

Mit zunehmender Internetnutzung sind auch ganz neue Phänomene entstanden: „FOMO“ (Fear of missing out) steht für die Angst, etwas zu verpassen und nach Feierabend berufliche E-Mails zu erledigen oder ständig im Internet nach News oder aktuellen Angeboten zu suchen.
„Phubbing“ heißt das unhöfliche Verhalten, sich in der Anwesenheit anderer seinem Smartphone zu widmen. Im Extremfall kann daraus eine Internetsucht werden, die rund ein bis drei Prozent der Erwachsenen betrifft. Bei Kindern und Jugendlichen ist der Anteil noch höher.

Eine Familie nutzt Handy und Computer.

Kritisch und kompetent nutzen!

„Digitale Medien können eine Bereicherung, aber auch ein Risiko sein“, resümiert Birgit Kimmel, Leiterin der EU-Initiative klicksafe in Deutschland. Seit 2004 kümmert diese sich darum, möglichst früh die kompetente und kritische Nutzung von Internet und Neuen Medien zu vermitteln. Wichtige Adressaten der Aufklärungsarbeit sind daher auch Mütter und Väter. „Die Augen zumachen und denken, es wird schon nichts passieren – das ist die falsche Einstellung“, warnt die Expertin.
Den Einsatz von Tablethaltern an Kinderwägen, die in den USA üblich seien, hält Birgit Kimmel für „viel zu verfrüht“. Auch ein eigenes Handy vor der 5. Klasse findet sie nicht ratsam. „Eltern haben die Fürsorgepflicht, Verantwortung und eine Vorbildfunktion“, macht sie klar. Sie müssten sich technisch darum kümmern, dass Jugendschutzprogramme und Filtersysteme auf Endgeräten installiert und aktiviert sind. Und sie sollten es nicht dem Zufall überlassen, wie oft und wie lang digitale Medien genutzt werden und auf welche Inhalte zugegriffen werden kann. „Je jünger ein Kind ist, desto klarer müssen Eltern Grenzen ziehen“, sagt Birgit Kimmel. „Ältere brauchen mehr Spielraum, aber trotzdem den regelmäßigen Austausch und Begleitung.“

Gesund groß werden.

Wie gelingt es, im digitalen Zeitalter gesund groß zu werden? Um diese Frage kreist auch das Präventionsprogramm „ECHT DABEI“. Diese Initiative des BKK Dachverbands bietet Theaterstücke für Kindergartenkinder und Grundschüler/innen an, die einen sinnvollen Umgang mit Bildschirmmedien vermitteln, aber genauso Lust auf das echte Leben machen. Außerdem organisiert sie Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte zur Mediensuchtprävention und dem Schutz vor Medienrisiken; Eltern bekommen Tipps für einen stressfreieren Umgang mit Computer & Co. im Familienalltag.
Dank enger wissenschaftlicher Begleitung basieren die Angebote von „ECHT DABEI“ auf aktuellen Studienergebnissen, die neben hilfreichen Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien wie beim Homeschooling auch Risiken für junge Nutzergruppen belegen: Hoher Konsum und Reizüberflutung können zu Verzögerung der Sprach- und Bewegungsentwicklung, Schlafstörungen, schlechteren Schulleistungen und Übergewicht mit Folgeerkrankungen führen. Außerdem kommen reale Sinneserfahrungen zu kurz, die Voraussetzung für Gehirnwachstum und erfolgreiches Lernen sind. Auch die Bindung zwischen Eltern und Kindern leidet, wenn sich beide mit Bildschirmen statt miteinander beschäftigen.

Ein älteres Paar spricht per Videochat mit ihrem Enkelsohn.

Digitale Chancen für ältere.

Ältere Menschen hingegen würden von mehr Medienkompetenz, d. h. technischen Kenntnissen und praktischen Erfahrungen, sowie Ausstattung mit digitalen Geräten profitieren. Denn das kann „neue Welten eröffnen“, sagt Nicola Röhricht. Als Referentin für Digitalisierung und Bildung bei der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V.) weiß sie, dass „das Internet auch für ältere Menschen eine wichtige Quelle für Informationen ist.“
Durch die Nutzung digitaler Gesundheitsangebote lassen sich laut BAGSO ärztliche Behandlungen ergänzen und optimieren. Digitaler Technik attestiert der Verband das Potenzial, selbstbestimmtes Wohnen in den eigenen vier Wänden zu unterstützen. „Virtuelle Reisen mit Google Earth können für Glücksgefühle sorgen, wenn reales Unterwegssein altersbedingt zu beschwerlich wird“, sagt Nicola Röhricht.
Auch die Suche nach Menschen mit gleichen Interessen oder neuen Partnerinnen und Partnern verlaufen online oft erfolgreich. Laut einer Bitkom-Studie war 2019 jeder Dritte der 50- bis 64-Jährigen in Online-Dating-Diensten aktiv, in der Generation 65+ mehr als jeder Zehnte. Und in Zeiten des Lockdowns sind gerade Seniorinnen und Senioren froh, online bei Lebensmittellieferanten frisch und gesund einkaufen zu können. Ohne Internetzugang sind sie im Umkehrschluss „abgeschnitten von vielen Möglichkeiten“, sagt Nicola Röhricht. Bis er für alle älteren Menschen gesichert ist, fordert die BAGSO, dass weiter analoge Angebote bei Behördenangelegenheiten, Fahrscheinkauf oder Bankgeschäften zur Verfügung stehen. ///


Hilfreiche Adressen im Daten-Dschungel.

bsi-fuer-buerger.de: Hacker, Phishing, Schadprogramme, Identitätsdiebstahl, Kostenfallen, Cybermobbing: Das Internet birgt außer vielen Vorteilen auch große Risiken. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt auf seiner Seite Tipps zu wirkungsvollen Schutz- und Hilfsprogrammen, der sicheren Verschlüsselung von Passwörtern oder Infektionsbeseitigung. Im Glossar werden die wichtigsten Begriffe von Avatar bis Zwei-Faktor-Autorisierung erklärt.
digital-kompass.de: Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) und Deutschland sicher im Netz e.V. mit einer Fundgrube an Broschüren, Flyern, Präsentationen, Anleitungen und anderen Materialien, die ältere Menschen ins und im Netz begleiten. Bis 2021 sollen zudem bundesweit rund 75 Digital-Kompass-Standorte als Anlaufstelle für Seniorinnen und Senioren eröffnet werden, die im Umgang mit dem Internet Unterstützung suchen.
klicksafe.de: Egal ob Eltern, Pädagogen, Lehrkräfte, Kinder oder Jugendliche – in jeweils gesonderten Bereichen gibt die europaweite Initiative „klicksafe“ hilfreiche Tipps und Informationen für den sicheren sowie kompetenten Umgang mit digitalen Medien. Aktuelle Themen oder Termine sind auf der Einstiegsseite zu sehen. Unter dem Punkt „Materialien“ können Broschüren und Flyer bestellt werden; bei „Spots“ sind Erklärfilme und Videoreihen mit Erfahrungen von Jugendlichen im Netz verlinkt.
Medienratgeber-fuer-Eltern.de: Welche Auswirkungen hat Mediennutzung, wie lässt sich im Alltag Medienstress vermeiden? Antworten für vier Altersstufen vom Säuglingsalter bis zu Jugendlichen gibt der Verein MEDIA PROTECT, der Familien stärken und aufklären möchte. Erste Vorsitzende ist die Medienpädagogin Prof. Dr. Paula Bleckmann, die sich auch als Mitgründerin, konzeptionelle Leiterin und Dozentin des Präventionsprogramms ECHT DABEI (www.echt-dabei.de) einbringt.


HILFE IM INTERNET.

Icon eines Smartphones vor einer Weltkugel.Ältere Menschen nutzen das Internet anders als junge: für Informationen und Nachrichten, insbesondere auch zum Thema Gesundheit und zum Online-Einkauf. Hilfe im digitalen Dschungel gibt es hier: www.bmwbkk.de/digitaler-dschungel.


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