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„WENN NICHTS MEHR IST, WIE ES WAR.“

Stefanie Siebauer pflegt ihren querschnittsgelähmten Mann zu Hause – ein Vollzeitjob, der wenig Zeit zum Durchschnaufen lässt. Humor, ihre Kinder und kleine
Auszeiten helfen ihr, den Alltag zu stemmen.

Autorin: Ineke Haug // Foto: Markus Hirner

Das gemeinsame Leben von Stefanie und Christian Siebauer aus dem niederbayrischen Schöllnach beginnt 2006 nach einer zufälligen Begegnung. Schnell ist den beiden jungen Leuten klar: Das passt! Wir bleiben zusammen. Einige Jahre später übernehmen sie das Elternhaus von Christian, stecken viel Arbeit in Heim und Garten. Schon damals hat Christian einiges hinter sich: Als 16-Jähriger verletzt er sich bei einem Rollerunfall schwer.

Er erleidet innere Verletzungen, am gebrochenen linken Arm entwickelt sich ein Blutgerinnsel, das zu einem Schlaganfall führt. Seine Bäckerlehre kann er nicht beenden, findet aber eine neue Ausbildung als Bürokaufmann. „Bei unserem Kennenlernen war vom Unfall und den Folgen bis auf eine kleine Einschränkung an der rechten Hand nichts mehr zu spüren“, erzählt Stefanie Siebauer.

DAS LEISE GEFÜHL: HIER STIMMT ETWAS NICHT.

2014 kommt Tochter Mia auf die Welt, fünf Jahre später wird Jonas geboren. Getrübt wird das Glück von Christians immer wiederkehrenden starken Kopfschmerzen. „Die Ärzte haben Migräne vermutet, aber es hat kein Medikament geholfen“, erinnert sich Stefanie Siebauer. 2020 beschließt das Paar zu heiraten, zur Vorbereitung besuchen sie einen Tanzkurs. „Da habe ich gemerkt, dass mit Christians rechtem Bein etwas nicht stimmt, er war ganz steif und die Figuren haben nicht richtig geklappt.

Damals war mir nicht klar, dass das erst der Anfang ist“, sagt Stefanie Siebauer heute. Denn im Bein entwickelt sich eine Spastik, Christian Siebauer stürzt immer wieder und wird im April 2024 bei der Gartenarbeit bewusstlos. Stefanie Siebauer spürt: Das war nicht einfach nur ein Kreislaufkollaps. Sie besteht darauf, dass ihr Mann gründlich untersucht wird – und das ungute Gefühl bestätigt sich: Beim Rollerunfall hat sich ein Halswirbel verschoben, der über die Jahre verknöcherte.

Er drückt auf das Rückenmark und beschädigt den Spinalkanal im Inneren der Wirbelsäule. Christian Siebauer wird neun Stunden lang operiert. Insgesamt fünf Operationen folgen, die Lecks im Spinalkanal werden größtenteils geschlossen, aber der heute 41-Jährige ist ab dem Brustkorb querschnittsgelähmt. Vom Bauch abwärts hat er starke Spastiken. „Seit Ende 2024 ist nichts mehr, wie es vorher war“, sagt Stefanie Siebauer. Ihr Mann sitzt im Rollstuhl, hat mit Pflegegrad 5 schwerste Beeinträchtigungen.

DIE FAMILIE SOLL ZUSAMMENBLEIBEN.

Dennoch steht für die heute 37-Jährige fest, dass sie ihren Mann zu Hause pflegen wird. „Wir sind schließlich eine Familie“, sagt sie. Sie steht gegen fünf Uhr auf, kocht Kaffee für sich und ihren Mann und macht die Kinder für die Schule fertig. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, ist sie ganz für ihn da, unterstützt beim Essen, Anziehen, beim Transfer in den Rollstuhl – kurzum im gesamten Alltag. „Mein Tag endet um 23 Uhr“, sagt sie. „Das läuft natürlich nur reibungslos, wenn ich fit bin“ – viel Verantwortung für eine junge Frau.

Im Notfall kann sie sich aber auf Freunde und Familie verlassen, die sie entlasten. An zwei Tagen in der Woche arbeitet Stefanie Siebauer als Kassiererin in einem Supermarkt, in der Zeit schaut eine Freundin nach ihrem Mann und nimmt die Kinder nach der Schule in Empfang. Was nach einer zusätzlichen Belastung klingt, ist auch eine Auszeit: „Mit meinen Kolleginnen habe ich ein Stück Normalität und Unbeschwertheit, wir lachen viel zusammen.“

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HUMOR BRINGT EIN STÜCK LEICHTIGKEIT.

Überhaupt ist auffällig, dass Stefanie Siebauer ihren Humor nicht verloren hat, etwas, das sie und ihren Mann auch in der schwierigen Situation verbindet: „Wenn er wegen seiner Spastik Schwierigkeiten hat, die Gabel zu halten, sag ich: ,Stich mir bitte nicht die Augen aus.‘ Und schon bekommt eine richtig frustrierende Situation ein wenig Leichtigkeit.“ Entlastung bringt auch der gute Kontakt zur Pflegeberaterin Corinna Ring von der BMW BKK: „Sie war seit dem ersten Gespräch an meiner Seite.

Am Anfang ist man ja total unsicher mit der neuen Situation, die viele Entscheidungen mit sich bringt.“ Auch bei den Umbaumaßnahmen am Haus war die BMW BKK da: „Die Betreuung durch die BMW BKK haben wir als sehr positiv erlebt. Unsere ganz persönliche Situation und die Bedürfnisse wurden in der Beratung immer berücksichtigt.“ Woher Stefanie Siebauer ihre Energie nimmt? Am meisten Kraft geben ihr die beiden Kinder, mittlerweile elf und sieben Jahre alt. „Durch sie weiß ich, dass es sich lohnt weiterzukämpfen, auch wenn mir die Zukunft manchmal Sorgen macht.“

Und sie lassen ihren Mann spüren: „Papa, es ist gut, dass du da bist.“ – „Auch wenn mein Mann immer wieder für einige Zeit ins Krankenhaus muss und unsere Familie dann zum Durchatmen kommt, vermissen wir ihn schnell. Wir freuen uns alle, wenn er wieder nach Hause kommt. Weil er halt einfach zu uns gehört.“

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