Datenautobahn zwischen Körper und Gehirn
Unser Alltag ist schnelllebig und voller Anforderungen. Das kann unser inneres Gleichgewicht stören. Wie der Vagusnerv uns helfen kann, mehr Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu finden.
Der Vagusnerv ist der längste unserer zwölf Hirnnerven. Er verläuft vom Gehirn beidseitig an der Halsschlagader entlang über das Herz, die Lunge, die Leber, die Milz bis in den Magen-Darm-Trakt. „Seine Hauptaufgabe ist es, als eine Art Datenautobahn verschiedene Signale über die Funktion der inneren Organe an das Gehirn weiterzuleiten“, erklärt der Neurowissenschaftler und Psychologe Nils Kroemer, Professor für Medizinische Psychologie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn. Als Hauptnerv des Parasympathikus ist der Vagusnerv zudem Bestandteil des autonomen Nervensystems und – wie der Sympathikus – an der Regulation von unbewusst ablaufenden Körperfunktionen wie etwa Verdauung, Atmung, Herzfrequenz und Sättigungsgefühl beteiligt.
Vagusnerv und das innere Gleichgewicht.
Vereinfacht gesagt, versetzt der Sympathikus den Körper bei Aktivität oder Stress in Alarmbereitschaft – etwa, indem er Herzfrequenz und Atmung beschleunigt. Der Parasympathikus hingegen steht für Ruhe und Regeneration: Er bremst den Herzschlag, vertieft die Atmung und hilft dem Körper, sich zu erholen. Beide Systeme arbeiten eng zusammen und sorgen dafür, dass wir flexibel auf innere und äußere Anforderungen reagieren können, ohne unser Gleichgewicht zu verlieren. Dieses dynamische Zusammenspiel nennen Fachleute Homöostase – einen Zustand, in dem beide Systeme und damit lebenswichtige Körperfunktionen stabil und ausbalanciert bleiben.
Eine Schlüsselrolle dabei spielt der Vagusnerv. Er gilt als die wichtigste Verbindung zwischen Gehirn und Körper und steuert den Informationsaustausch zwischen zentralen Organsystemen wie Hirn, Herz, Lunge und Darm. Besonders spannend ist seine Rolle in der sogenannten Darm-Hirn-Achse: Der Vagusnerv leitet Signale aus dem Verdauungstrakt – etwa über den Zustand der Darmflora oder Entzündungsprozesse – direkt an das Gehirn weiter. Umgekehrt beeinflusst er auch die Aktivität des Darms, die Verdauung und das Immunsystem. So entsteht ein ständiger Dialog zwischen Kopf und Bauch, der unsere Stimmung, unser Stressempfinden und sogar unser Wohlbefinden beeinflusst. Stress ist also nicht grundsätzlich schlecht – er hilft uns, zu reagieren und leistungsfähig zu bleiben. Problematisch wird es erst, wenn der Körper dauerhaft in Alarmbereitschaft bleibt und die Homöostase ständig gestört ist. Dann können Beschwerden wie innere Unruhe, Schlafstörungen, psychische Erkrankung oder Magen-Darm-Probleme auftreten. „Es gibt die Idee, dass der Vagusnerv unserem Körper helfen kann, schneller wieder in sein inneres Gleichgewicht zu kommen“, sagt Kroemer.
Mit Vagusnerv-Training besser entspannen?
Bestimmte Übungen und Massagen, z. B. am Hals oder Ohr, sollen den Vagusnerv gezielt beeinflussen und so auf die innere Balance wirken. „Massagen fördern generell die Entspannung. Wie stark der Vagusnerv daran beteiligt ist, ist aber bislang unklar“, so Kroemer. Das Problem dabei: Die Auswirkungen der mechanischen Stimulation auf den Vagusnerv lassen sich nicht direkt messen. Ähnlich ist es bei Entspannungsübungen. „Es ist wenig darüber bekannt, ob wir den Vagusnerv dadurch gezielt ansteuern können. Und anders als ein Muskel lässt sich der Vagusnerv auch nicht trainieren“, erklärt Kroemer. „Das heißt aber nicht, dass diese Übungen gar nichts bringen und es sich nicht lohnt, sie auszuprobieren.“ Denn der Parasympathikus und die Fähigkeit zur Regeneration lässt sich damit auf jeden Fall stärken. Nachweislich entspannend wirken z. B. Atemübungen, Yoga oder Meditation. Und grundsätzlich gilt: Was das Nervensystem unterstützt und das Wohlbefinden steigert, tut auch dem Vagusnerv gut und kann uns helfen, mehr Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu finden.
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